Blog-trifft-Gastro: Ausblick
Nach der inhaltlichen Rückschau auf BtG 2007 hier noch ein paar Schlussfolgerungen und Thesen:
- Das „offene Format“ einer Veranstaltung vom Freitagabend bis Sonntagmorgen sorgt für einen entspannten Fluss der verschiedenen Programmpunkte und für die Möglichkeit eines umfassenden Austauschs untereinander, birgt aber auch die Gefahr, neue Teilnehmer abzuschrecken (‚ich kenne niemanden und soll gleich ein ganzes Wochenende mit denen verbringen?’).
- Die Bloggerszene hat sich diversifiziert. War es noch bei der BtG-Erstauflage 2005 so, dass man sich (wie alle Blogger) vorrangig über das Bloggen unterhielt und zum Teil geradezu barrikadenstürmende Visionen hatte, hält sich ein großer Teil der Szene mittlerweile an das alte Helmut-Schmidt-Verdikt „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“. Mit anderen Worten: Bloggen ist zum Handwerk geworden, die große Aufregung um das Thema ist verraucht. Eher in einem eigenen Universum kreisen derweil die sogenannten A-Blogger – im Zweifelsfall vornehmlich um sich selbst. Ausnahmen bestätigen die Regel.
- Der Titel „Blog-trifft-Gastro“ ist insofern präzisierungsbedürftig, als der Gastro-Part entweder in Personalunion auch bloggt oder aber nicht als Teilnehmer, sondern vielmehr als eingplanter ‚Programmanbieter’ in Erscheinung tritt. Die zarten Ansätze von BtG 2005, als auch nicht-bloggende Gastronomen als Teilnehmer gewonnen werden konnten, haben sich vorerst nicht weiterentwickelt. Wobei dann 2008 auch mit Freuden und ausdrücklich auf Teilnehmer verzichtet werden kann, die es zum wiederholten Male vorgezogen haben, ohne Absage fern zu bleiben. Evtl. ist da die Funktionärslaufbahn in einer randständigen Partei doch vorzuziehen, zumal wenn diese darauf spezialisiert ist, als Tiger zu starten und als Bettvorleger zu landen. Wir wünschen guten Flug!
- Die vielen Rezept-, Koch- und Trinkblogger scheinen keine Kernzielgruppe von Veranstaltungen wie BtG zu sein. Während die A-Blogger (s. o.) vor allem andere A-Blogger treffen möchten, um sich gegenseitig bestätigen zu können, immer noch von A-Bedeutung zu sein, ist das Bloggen für viele Hobbyköche & Co. eher die Fortsetzung von Rezeptkladde und Kaffeeklatsch mit anderen Mitteln. Was man mitzuteilen und auszutauschen hat, steht im Blog und that’s it.
- Für BtG bleibt als Nische immer noch Platz genug: Es treffen sich technologisch Aufgeschlossene, aber keine Nerds und Geeks. Genießer, aber nicht unbedingt Gourmets im engeren Sinne. Gastronomen, aber keine Verbandsfunktionäre. Genuss, Information und Austausch bilden eine Einheit. Genau deshalb ist ein Gleichgewicht der Komponenten wichtig – BtG soll weder Kongress noch Fressparty werden.
- Nichtsdestotrotz ist unsere Personaldecke dünn. Der Organisationsgrad des Wochenendes und die Zahl der Teilnehmer sollten in keine weitere Schieflage geraten. Zumal sonst eine Negativspirale droht, die dann auch bisherige Stammgäste daran hindern könnte, Zeit und Geld zu investieren, wenn die Quantität der zu treffenden Leute dies nicht mehr rechtfertigt (die Qualität steht eigentlich außer Frage). Auf jeden Fall haben die neuen Gesichter überzeugend bekundet, dass der Besuch bei BtG 2007 sich gelohnt habe – und es war schön, Heide, Bettina und Matthias dabei gehabt zu haben. Kommentarspamming wird jedenfalls auch für 2008 nicht als geeignetes Mittel zur Teilnehmerrekrutierung gesehen, wohl aber gezieltes Ansprechen potenzieller Interessenten mit vielversprechendem Hintergrund.
Darüber hinaus muss man sich – je nach Einzelfall und gut- oder böswilliger Interpretation – der hohen terminlichen Beanspruchung der Interessenten bzw. der Unverbindlichkeit im Anmeldeprozess stellen. Z. B. dahingehend, die Übernachtungen in eigene Regie zu geben, Programmpartner rechtzeitig vorzuwarnen und der Veranstaltung dann ganz entspannt entgegen zu sehen. - Für 2008 gab es einige freiwillige Angebote zur Organisation von BtG. Die in Hamburg versammelte Runde äußerte einvernehmlich den Wunsch, diese Aufgabe an Jan Theofel zu übertragen. Jan hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, ein Programm für den Veranstaltungsort Stuttgart zusammenzustellen. Auch im nächsten Jahr soll BtG wieder in der zweiten Januarhälfte stattfinden – Näheres dann zu gegebener Zeit in Jans Blog.
Zu guter Letzt ein persönliches Wort: Wir haben ja alle im Privat- und Berufsleben gelernt, mit Kritik produktiv umzugehen … nun gut, manchmal dauert der Lernprozess auch lebenslang. Bisweilen kaum weniger herausfordernd ist der Umgang mit Lob – zumal, wenn dieses so überschwänglich-herzlich ausfällt wie in diesem Fall. Ich kann nur sagen: Gut, dass Blogbeiträge nicht die Gesichtsfarbe des Autors bzw. Lesers übermitteln, denn sonst wäre dieser Beitrag tomatenrot eingefärbt. Danke sehr, Thomas! Das Vergnügen lag ganz auf meiner Seite.

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