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Im Interview: Thomas Günther - Weinverkostungen.de

Vorschaubild, wenn das Tool so will
Thomas Günther bloggt unter der Domain weinverkostungen.de seit dem 7. Juli 2006. Zudem betreibt er die Weinblogsuchmaschine wein-blogs.de. Wie unschwer den Domainnamen zu entnehmen ist, geht es bei ihm hauptsächlich um Wein. Thomas Günther hat vor einigen Wochen mit einer Reportage über Urheberrechtsverletzungen beim REWE Konzern auf sich und sein Blog aufmerksam gemacht. Thomas Günther hat sich am 21. Januar 2008 den Fragen von Genussblogs.net gestellt.

Genussblogs: Schön, dass es klappt, dann willkommen bei Genussblogs.net!
Von wo bloggst du denn? Schreibtisch, Sofa oder machst das liegend im Bett?

ThomasGünther: Ich blogge fast immer von zuhause aus und sitze am Schreibtisch. Ausnahmen sind Veranstaltungen, wo ich mir dann ein ruhiges Plätchen mit WLAN suche.

Genussblogs: Machst du deine Weinverkostungen direkt am PC oder eher “offline” und schreibst später darüber?

ThomasGünther: Anfangs war das live. Das kommt auch immer noch vor, dass es direkt veröffentlicht wird. Ich schreibe die Notizen jetzt auch meistens am Computer. Aber das wird häufig etwas zeitversetzt veröffentlicht. Das entzaubert das Bloggen etwas, ist aber so leichter zu handeln.

Genussblogs: Schreib uns doch mal kurz, was für dich einen guten oder besser sehr guten Wein ausmacht.

ThomasGünther : Das ist eine recht schwere Frage. Zum einen sehe ich nicht immer nur meinen Geschmack. Für mich ist ein guter Wein erst mal nicht beliebig. Das heißt aber auch nicht, dass er wuchtig sein soll. Zugleich mag ich mehrere Stiele. Die Weine können aus der alten oder den neuen Welt kommen. Das ist relativ gleich. Sie sollten jedoch auch ihre Herkunft wiederspiegeln. Ein Riesling aus Australien sollte nicht verwechselbar mit einem von der Mosel sein (und ist es auch meistens nicht).

Genussblogs: Du beschäftigst dich des öfteren mit dem Thema oder Weinen aus dem Lebensmittelhandel, gibt es einen besonderen Grund dafür?

ThomasGünther: Ich finde es sehr schön wenn zur Kenntnis genommen wird, was häufig getrunken wird. Da kommt dem Lebensmittelhandel eine zentrale Rolle zu. Zugleich sehe ich da auch sehr viel kritisch. Das groh des Supermarktes kommt jedoch bei mir im Blog nicht vor. Man darf nicht vergessen, dass der durchschittliche Verkaufspreis dort bei 3 Euro liegt. Und bei den hochpreisigen Weinen fehlt meist der Durchlauf. HIER habe ich mich damit etwas beschäftigt. Der Fachhandel ist daher auch von mir präferiert.

Genussblogs: Ist ja auch wichtiges Thema, der LEH ist für die Weinwirtschaft mehr als ein Motor. In Zusammenhang mit dem LEH, oder im speziellen der REWE hattest du einige Artikel die sich mit Urheberrechtsverletzungen auseinandersetzten. Gab es von REWE auf deine Blogeinträge zum Thema Urherberrechtsverlezung Resonanz?

ThomasGünther : In der Blogszene und von Printmedien (z.B. Süddeutsche Zeitung) gab es sehr große Resonanz. Bei dem Supermarkt wurde eher gemauert. Wobei das eigentlich so ganz gut gelaufen ist. Es ging mir ja nie um diesen speziellen Supermarkt oder um die ganz konkreten Texte. Viel wichtiger war mir die Frage aufzuwerfen, wie man den mit digitalem Eigentum umgeht. Und ich bin der Auffassung, dass nur weil man mit einem Mausklick kopieren kann, dies nicht einfach jedem erlaubt sein soll. Das ist jedoch etwas anderes als bei der Fragestellung mit den Raubkopien. Ich will ja niemanden den Zugang zu meinen Texten vorenthalten, der für diese nicht bezahlen will oder kann.

Genussblogs: Hast du diesen Fall mit REWE zufällig entdeckt oder recherchierst du wo etwas? Also wie bist du überhaupt auf diesen Textklau aufmerksam geworden?

ThomasGünther : Das war ganz simpel. Ich hatte ein Jahr zuvor einen Text bei Wikipedia gelesen. Der war recht eigen. Und da ich ein relativ gutes Gedächtnis für Texte habe, erinnerte ich mich daran als ich das Prospekt in den Händen hielt. Der Rest war dann Recherche. Ich lese mir häufig Werbematerialien durch, da ich die Sprache relativ interessant finde. Man kann da ganz beliebige Prospekte nehmen und man wird gerade bei Weinbeschreibungen seine Freude finden. Wobei: häufig ist das lieblos zusammengeschieben.

Genussblogs: Dein Blog ist thematisch sehr weit gefächert. Neben Weinverkostungen finden sich Themen zu schwarzen Socken, Wilhelm Busch, Journalismus sogar Rezepte finden sich in deinem Blog.
Fühlst du dich Sattelfest beim Thema Wein? Wie kamst du denn eigentlich zum Thema Wein?

ThomasGünther: Also vom gelernten Beruf bin ich Soziologe. Von daher interessieren mich sozio-kulturelle Facetten am Wein. Zum Wein bin ich eigentlich aus Interesse an seiner Vielfältigkeit gekommen. Darüber zu Bloggen ist eine Sache die mir nur Spass macht.

Genussblogs: Du setzt Google Adsense ein, Amazon und hast seit kurzem auch Bannerwerbung auf deinem Blog geschaltet, mit Trigami hast du ebenfalls schon experimentiert. Ist das für dich einfach ein Zusatzverdienst, Kostendeckung oder denkst du einmal davon leben zu können?
Was ich fragen will, wäre das überhaupt denkbar? Vom Bloggen zu leben?

ThomasGünther : Nun ich sehe das als eine Entwicklung an. Zum einen technisch: Amazon und auch Trigami sind bei mir gescheitert. Bei Google-Adsense steht es auf messers Schneide. Hochwertige Werbepartner finde ich jedoch interessant. Ich bekomme da auch immer mehr Anfragen. Dies bedeutet für mich aber immer einen anderen wichtigen Aspekt. Werbung hat keinen Einfluss auf den Inhalt. Das ist bei vielen Printmedien (auch zum Thema Wein) anders. Diesen Luxus kann ich mir erlauben, da ich von den Werbeeinnahmen unabhängig bin. Ich habe eine unbefristete Vollzeitbeschäftigung. Gleichzeitig sehe ich Entwicklungen. Die Besucherzahlen steigen beständig. Mein Blog ist bei einigen Menschen die ich neu kennenlerne bekannt. Ich werde zu Teil schon von mir unbekannten Menschen angesprochen. Von daher hat das Medium Zukunft. Ich sehe auch, dass bei Winzern und Weinwirtschaft (z.B. Importeuren) recht viel Dynamik in Richtung Blog oder allgemein Internet entsteht.
Wo das in ein oder zwei Jahren steht ist jedoch ungewiss.

Genussblogs: Das ist tatsächlich worauf ich hinaus wollte. Schade, du hast also auch noch kein perfektes Rezept gefunden. Mir hat dein Moblog zur Prowein ausserordentlich gut gefallen. Von mir aus hätte es davon viel mehr sein dürfen! Wirst du in diese Richtung wieder einmal etwas unternehmen?

ThomasGünther : Der Moblog auf der ProWein war ein erster Versuch zu einer schnellen und nah am Ereigniss stattfindenden Berichterstattung. Blogs bringen zwei klassische Bilder zurück. Das eine ist der Geschichtenerzähler am Kamin (der Unterschied ist heute nur, dass er besser sein muss als viele andere Medien). Das zweite ist der Reporter. Jemand, der mit Kamera und Notizblock raus geht zu einem Ereigniss. Die modernen Techniken schaffen eine große Nähe zum Ereigniss. Zwei Dinge sind für dieses Jahr geplant. Das eine ist eine Weiterentwicklung des Moblogs auf der ProWein. Die zweite Neuerung wird wahrscheinlich im Herbst stattfinden. Das ist aber noch nicht fertig geplant. Und über ungelegte Eier bloggt man nicht.

Genussblogs: OK, auf den Moblog freue ich mich, und auf den Herbst sowieso. Du stellst den Usern eine Weinblogsuchmaschine bereit, hättest du deren start nicht in der Art “Weinverkostungen kooperiert mit Google” bekannt geben sollen? Wie kam es dazu und wird die Suchmaschine genutzt?

ThomasGünther : Solch eine Kooperation kann eigentlich jeder mit Google machen. Ich wollte eigentlich etwas gemeinschaftsstiftendendes in der Weinblogszene einrichten. Und das ist soweit auch ganz fair. Die Suchergebnisse von Google werden nicht nachträglich beeinflusst. Sie sind lediglich durch einen Filter der Blogadressen gebracht. Es sind inzwischen auch schon fast 50 deutschsprachige Weinblogs berücksichtigt. Die Suchanfragen steigen (Maximum 70 Anfragen an einem Tag). Hinter dieser Blogsuche sehe ich etwas ähnliches wie bei den Genussblogs. Wenn man etwas im Internet an den Start bringt, was für den Nutzer tatsächlich einen Mehrwert bringt (egal in welcher Form) wird es Erfolg haben. Von dieser Seite her solte man Projekte angehen. Egal ob die nun eine kommerziellen oder idellen Charakter (wie die Genussblogs) haben.

Genussblogs: Noch 2 Fragen!
Gibst du uns noch einen Einblick in deinen Feedreader? Nennst du uns 2-3 Blogs auf die du nur ungern verzichten würdest, weil sie dir Spass machen oder wichtig sind?

ThomasGünther : Ich lese eigentlich alle Blogs meiner Blogroll gerne und regelmäßig. Da einen oder zwei herauszugreifen würde andere Blogs ungerechtigter Weise benachteiligen. Nun gut. Den Winzerblog lese ich nicht nur über Feed, sondern auch häufig so, da man die vielen Kommentare so auch mitbekommt. Unter den Blogs, die ihr 1-Jahres-Jubliläum noch nicht hatten, ist Schreiberswein besonders lesenswert. Da sind viele kreative Ideen und die Fotos sind häufig auch so, dass man besser surft als den Feedreader zu bemühen. Ich würde jetzt noch gerne viele andere Blogs mit ihren Vorzügen aufzählen, aber dann würde das Eingabefeld hier zerbersten.

Genussblogs: Also Weinblogs sind schon dein Schwerpunkt…
Zum Schluss eine Frage die ich Zukunft allen Interviewpartnern stellen möchte.
Wen würdest du gerne einmal hier im Interview lesen?
Begründung ist nicht nötig

ThomasGünther : Ich würde gerne mal ein Interview mit Werner Elflein hier lesen.

Genussblogs: Oh wow! Jetzt hast du mich wirklich überrascht. Aber OK, das ist eine gute Idee derer ich mich annehme!
Thomas ich danke dir das du wieder einmal den Anfang gemacht hast. Ich hoffe, es war nicht zu langatmig, aber ich glaube das wird ein schönes Interview zum nachlesen geben.
In diesem Sinne wünsche ich dir noch eine schöne Woche und weiterhin viel Spass mit deinem Blog!!
Vielen Dank

ThomasGünther : Danke dir auch.

2 Kommentare to “Im Interview: Thomas Günther - Weinverkostungen.de”

  1. Iris meint am 22.01.2008 at 15:17 :

    Noch eine gute Idee in die Tat umgesetzt: Danke den drei Th: Thomas, Theo und Thomas als erstem Versuchskaninchen, für diesen interessanten Auftakt zur neuen Rubrik. Ich freue mich schon auch die nächsten Interviews!

  2. Interview über Wein, bloggen, Kommerz und Urheberrecht meint am 22.01.2008 at 21:28 :

    […] Es gibt etwas neues bei den Genussblogs. Dort sind ja schon seit langer Zeit die Feeds fast aller Blogs zu den Themen Essen, Trinken und andere Themen rund um den Genuss versammelt. Dies wird nun durch Interviews mit Bloggern bereichert. Und wem wurden zuerst die Löcher in den Bauch gefragt? Thomas Lippert von Winzerblog sprach mit mir. Ich finde es auch ganz lesenswert und hätte von selbst nie so einen Text geschrieben. Andere Meschen stellen einem ja immer andere Fragen, als man sich selbst. Da kann man auch das Bild, welches man mit seinem Blog vermittelt, hinterfragen. So hat dieses Interview auch zur Weiterentwicklung dieser Seite beigetragen. Die Interviews auf den Genussblogs werden bestimmt in Zukunft sehr interessant und eine Bereicherung für diese Seite sein. […]

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